Unterwegs

Langsam reisen: warum der Weg manchmal das schönste Ziel ist

· von Thomas Leuenberger

Wer in einer Stunde von Zürich nach Bern fährt, sieht vor allem Tunnelwände und Lärmschutz. Wer die gleiche Strecke in einem halben Tag über Land zurücklegt, sieht Bauernhöfe, Dörfer, Flüsse und Menschen. Langsames Reisen ist keine Verschwendung von Zeit, sondern eine andere Art, sie zu nutzen.

Was langsames Reisen ausmacht

Beim langsamen Reisen ist die Fortbewegung Teil des Erlebnisses. Man wählt bewusst Verkehrsmittel und Strecken, die Zeit lassen: das Postauto über einen Pass, das Schiff statt der Strasse am See entlang, die Nebenstrasse statt der Autobahn. Man bleibt länger an einem Ort, statt jeden Tag weiterzuziehen. Und man plant Lücken ein, in denen nichts passiert.

Warum es erholsamer ist

Ständige Ortswechsel, Umsteigen und volle Programme sind anstrengend, auch wenn sie in den Ferien stattfinden. Wer langsamer reist, kommt innerlich schneller an. Die Eindrücke haben Zeit, sich zu setzen. Viele Menschen erinnern sich nach Jahren an ein Gespräch im Zugabteil oder einen Nachmittag in einem kleinen Café besser als an die berühmten Sehenswürdigkeiten.

Ideen für die Schweiz

  • Mit dem Postauto über die Pässe: Viele Bergstrecken sind nur so bequem zu erleben. Fahrpläne und Panoramalinien finden Sie bei PostAuto.
  • Schiff und Bahn kombinieren: zum Beispiel mit dem Dampfschiff über den Vierwaldstättersee und dann mit der Bahn weiter in die Berge.
  • Eine Region, eine Woche: statt fünf Orte in fünf Tagen eine Woche im gleichen Tal, mit Tagesausflügen zu Fuss.
  • Mit dem eigenen Klassiker: Eine Reise im Oldtimer zwingt fast automatisch zur Langsamkeit.

Über die Grenze hinaus

Auch in den Nachbarländern gibt es wunderbare Ziele für langsame Reisen: die Weinstrassen im Elsass, die Seen im Piemont, die Dörfer im Schwarzwald. Viele sind mit dem Zug in wenigen Stunden erreichbar, und vor Ort reichen Fahrrad, Bus und die eigenen Füsse.

Praktisch planen

Wählen Sie Unterkünfte für mehrere Nächte, das spart Kofferpacken. Planen Sie pro Tag höchstens ein festes Programm. Packen Sie leicht, denn wer langsam reist, ist öfter zu Fuss. Und lassen Sie Platz für Zufälle: das Dorffest, von dem man unterwegs erfährt, oder die Wirtin, die einen Tipp für morgen hat.

Langsam reisen heisst nicht, weniger zu erleben. Es heisst, das, was man erlebt, wirklich mitzubekommen.